Arbeitszeit
Ruhezeit: 11 Stunden zwischen zwei Schichten, 10 in der Gastronomie
Zwischen Feierabend und dem nächsten Arbeitsbeginn müssen elf Stunden Ruhe liegen. In der Gastronomie darf es eine Stunde weniger sein, wenn du das ausgleichst. Das ist die Regel, die nach einer langen Nacht an der Bar und einer frühen Schicht am nächsten Morgen am häufigsten reißt. Hier steht, wie du sie richtig rechnest und planst.
Von Florian Alber, Gründer von Klok · Stand · 10 Min. Lesezeit
Was regelt die 11-Stunden-Ruhezeit?
Nach dem Ende der täglichen Arbeitszeit brauchen Beschäftigte eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden (§ 5 Abs. 1 ArbZG). Ununterbrochen heißt: Die elf Stunden müssen am Stück liegen. Wird die Ruhezeit durch Arbeit unterbrochen, etwa durch einen kurzen Einsatz im Betrieb, liegen die elf Stunden nicht mehr am Stück.
Die Regel gilt für alle Arbeitnehmer, also auch für Aushilfen, Minijobber und Teilzeitkräfte. Sie gilt unabhängig davon, ob die nächste Schicht am selben Kalendertag oder am nächsten Tag beginnt.
Wie rechnest du die Ruhezeit richtig?
Gerechnet wird vom tatsächlichen Arbeitsende bis zum nächsten tatsächlichen Arbeitsbeginn. Nicht der Dienstplan zählt, sondern was gestempelt oder aufgeschrieben wurde. Wer laut Plan um 23 Uhr Feierabend hat, aber bis 0:15 Uhr aufräumt, darf frühestens um 11:15 Uhr wieder anfangen.
| Arbeitsende | Nächster Beginn | Ruhezeit | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 23:00 Uhr | 10:00 Uhr | 11 Stunden | eingehalten |
| 0:30 Uhr | 10:00 Uhr | 9,5 Stunden | Verstoß, auch in der Gastronomie |
| 23:30 Uhr | 9:30 Uhr | 10 Stunden | in der Gastronomie zulässig, wenn ausgeglichen |
| 2:00 Uhr | 11:00 Uhr | 9 Stunden | Verstoß |
Welche Ausnahme gilt für Gaststätten und Hotels?
In Gaststätten und anderen Einrichtungen zur Bewirtung und Beherbergung darf die Ruhezeit um bis zu eine Stunde verkürzt werden, also auf zehn Stunden (§ 5 Abs. 2 ArbZG). Die Ausnahme gilt nur mit Ausgleich: Jede Verkürzung musst du innerhalb eines Kalendermonats oder innerhalb von vier Wochen ausgleichen, indem du eine andere Ruhezeit auf mindestens zwölf Stunden verlängerst.
Weniger als zehn Stunden sind auch in der Gastronomie nicht erlaubt. Die Ausnahme ist also kein Freibrief, sondern ein Puffer für einzelne Tage, an denen es nicht anders geht.
Wie gleichst du eine verkürzte Ruhezeit aus?
Für jede verkürzte Ruhezeit brauchst du eine andere Ruhezeit von mindestens zwölf Stunden im selben Kalendermonat oder innerhalb von vier Wochen. Ein Beispiel aus einer Restaurantwoche:
| Tag | Schicht | Ruhezeit danach | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Freitag | 14 bis 23:30 Uhr | 10 Stunden bis Samstag 9:30 Uhr | verkürzt um eine Stunde |
| Samstag | 9:30 bis 17 Uhr | 17 Stunden bis Sonntag 10 Uhr | zählt als Ausgleich (mindestens 12 Stunden) |
| Sonntag | 10 bis 18 Uhr | frei bis Dienstag | regulär |
In der Praxis gleicht sich vieles von selbst aus, weil nach einer Frühschicht oft eine lange Ruhezeit folgt. Darauf verlassen solltest du dich nicht. Wer regelmäßig verkürzt, braucht einen Überblick, welche Verkürzung durch welche lange Ruhezeit ausgeglichen ist.
Was gilt nach einer Nachtschicht mit anschließender Frühschicht?
Das ist der klassische Fall in Bars, Clubs und Restaurants mit langem Abendgeschäft. Wer bis 2 Uhr hinter dem Tresen steht, darf frühestens um 13 Uhr wieder anfangen, in der Gastronomie mit Ausgleich frühestens um 12 Uhr. Eine Schicht am nächsten Morgen um 10 Uhr ist nicht drin.
Typische Konstellationen, die Probleme machen:
- Schließdienst und Frühstück: Wer abends abschließt, sollte am nächsten Morgen nicht das Frühstück aufbauen.
- Spontane Verlängerung: Ein Gast bleibt länger, Feierabend wird 1 Uhr statt 23 Uhr, die Frühschicht am nächsten Tag ist geplant. Dann musst du den Plan anpassen.
- Event und Brunch: Freitagabend Firmenfeier bis 1 Uhr, Samstag Brunch ab 9 Uhr. Das sind acht Stunden Ruhezeit, zu wenig.
- Zweitjob: Arbeitet deine Aushilfe abends noch woanders, zählt das mit.
Zum letzten Punkt: Arbeitszeiten bei mehreren Arbeitgebern werden zusammengerechnet (§ 2 Abs. 1 ArbZG). Frag bei Aushilfen mit Zweitjob also nach, wann sie dort aufhören.
Gilt die Ruhezeit auch bei geteilten Diensten?
Die Lücke zwischen zwei Schichten am selben Tag ist keine Ruhezeit, sondern gehört zum Arbeitstag. Die elf Stunden zählen erst ab dem Ende der letzten Schicht. Bei einem geteilten Dienst von 11 bis 15 Uhr und 18 bis 23 Uhr beginnt die Ruhezeit also um 23 Uhr.
Achte bei geteilten Diensten auch auf die Höchstarbeitszeit. Mehr als zehn Stunden Arbeit am Werktag sind nicht erlaubt, und zehn nur, wenn im Durchschnitt von sechs Monaten oder 24 Wochen acht Stunden nicht überschritten werden (§ 3 ArbZG). Wie die Pause dabei angerechnet wird, steht im Ratgeber Pausenregelung in der Gastronomie.
Gibt es weitere Ausnahmen von der Ruhezeit?
Ja, aber nicht für den Alltag. Ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung auf Grundlage eines Tarifvertrags kann zulassen, die Ruhezeit um bis zu zwei Stunden zu kürzen, wenn die Art der Arbeit das erfordert und die Kürzung in einem festgelegten Zeitraum ausgeglichen wird (§ 7 Abs. 1 Nr. 3 ArbZG). Ob in deinem Betrieb ein solcher Tarifvertrag gilt, hängt von Tarifbindung und Vertrag ab.
Daneben erlaubt § 14 ArbZG Abweichungen in Notfällen und außergewöhnlichen Fällen, die unabhängig vom Willen der Betroffenen eintreten, etwa wenn Lebensmittel zu verderben drohen. Ein voller Samstag, eine Krankmeldung im Team oder eine spontan angenommene Feier sind keine solchen Fälle. Wer sich auf § 14 beruft, sollte den Grund festhalten.
Wie dokumentierst du die Ruhezeit?
Eine eigene Aufzeichnung der Ruhezeit verlangt das Gesetz nicht. Sie ergibt sich aus der Zeiterfassung: Wer Ende und nächsten Beginn sauber erfasst, kann jede Ruhezeit nachrechnen. Die Aufsichtsbehörde darf Arbeitszeitnachweise anfordern und genau das prüfen (§ 17 Abs. 4 ArbZG).
Für die Ausnahme in der Gastronomie brauchst du mehr. Du musst zeigen können, dass jede Verkürzung ausgeglichen wurde. Eine einfache Liste reicht: Datum der verkürzten Ruhezeit, Dauer, und welche Ruhezeit von mindestens zwölf Stunden sie ausgleicht. Ohne diese Zuordnung sieht eine Prüfung nur die zehn Stunden, nicht den Ausgleich.
Was passiert bei einem Verstoß gegen die Ruhezeit?
Wer die Mindestruhezeit nicht gewährt oder eine Verkürzung nicht rechtzeitig ausgleicht, handelt ordnungswidrig. Der Bußgeldrahmen liegt bei bis zu 30.000 Euro (§ 22 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 2 ArbZG). Verantwortlich ist der Arbeitgeber, auch wenn die Mitarbeiterin selbst früher kommen wollte.
Zuständig sind die Aufsichtsbehörden der Länder, je nach Bundesland Gewerbeaufsicht oder Amt für Arbeitsschutz (§ 17 ArbZG). Sie prüfen anhand deiner Zeiterfassung und können anordnen, wie du Verstöße künftig verhinderst. Wer die Ausnahme für die Gastronomie nutzt, sollte den Ausgleich deshalb jederzeit zeigen können.
Dazu kommt das praktische Risiko: Übermüdung in Küche und Service führt zu Fehlern und Unfällen. Die Ruhezeit ist eine Arbeitsschutzregel, kein Formalismus.
Wie prüft Klok die Ruhezeit?
Ehrlich gesagt gibt es dabei Grenzen, die du kennen solltest:
- Am Terminal rechnet Klok immer mit elf Stunden, die Ausnahme für die Gastronomie fragt das Terminal also auch bei zehn Stunden Ruhe ab.
- Ob eine verkürzte Ruhezeit später ausgeglichen wurde, rechnet Klok nicht nach. Den Ausgleich prüfst du selbst.
- Im Dialog zum Bearbeiten einer einzelnen Schicht zeigt Klok die Warnung bei weniger als zehn Stunden an, sperrt dort aber nicht. Gesperrt wird nur im Wochenraster.
- Geteilte Dienste am selben Kalendertag gelten als ein Arbeitstag. Dazwischen kommt keine Ruhezeit-Abfrage.
- Wurde die letzte Schicht automatisch beendet, weil jemand das Ausstempeln vergessen hat, ist ihr Ende nur geschätzt. Dann fragt das Terminal nicht nach, markiert den neuen Eintrag aber zur Prüfung, wenn weniger als elf Stunden dazwischen liegen.
Wie planst du Ruhezeiten im Dienstplan sauber?
- Plane nach Spät- und Schließdiensten keine Frühschicht für dieselbe Person.
- Rechne mit dem echten Feierabend, nicht mit dem geplanten. Wer oft länger bleibt, braucht mehr Puffer.
- Nutze die Verkürzung auf zehn Stunden nur im Ausnahmefall und notiere den Ausgleich.
- Frag Aushilfen nach Zweitjobs und plane deren Zeiten mit ein.
- Lege für jedes Team eine feste Reihenfolge fest, wer nach einem Schließdienst den nächsten Tag frei oder spät hat.
- Prüfe die Liste der Ruhezeitverstöße regelmäßig und passe den Plan an, statt nur zu bestätigen.
Mehr zum Dienstplan in Klok steht unter Dienstplanung. Was du insgesamt aufzeichnen musst, erklärt der Ratgeber Zeiterfassungspflicht. Und wenn spät gearbeitet wird, geht es fast immer auch um Zuschläge: siehe Nachtzuschlag berechnen.
Häufige Fragen
Wie viele Stunden Ruhezeit müssen zwischen zwei Schichten liegen?
Mindestens elf Stunden am Stück, gerechnet vom Ende der täglichen Arbeitszeit bis zum nächsten Arbeitsbeginn (§ 5 Abs. 1 ArbZG). In der Gastronomie und Hotellerie darf es mit Ausgleich eine Stunde weniger sein.
Darf die Ruhezeit in der Gastronomie 10 Stunden betragen?
Ja, wenn du die Verkürzung innerhalb eines Kalendermonats oder innerhalb von vier Wochen ausgleichst. Dafür verlängerst du eine andere Ruhezeit auf mindestens zwölf Stunden. Weniger als zehn Stunden sind nicht erlaubt.
Zählt die Ruhezeit nach dem Plan oder nach dem echten Feierabend?
Nach dem echten Feierabend. Maßgeblich ist das tatsächliche Arbeitsende. Wer länger bleibt als geplant, darf am nächsten Tag entsprechend später anfangen.
Gilt die 11-Stunden-Regel auch für Minijobber?
Ja. Das Arbeitszeitgesetz gilt für alle Arbeitnehmer, unabhängig von Stundenzahl und Verdienst. Arbeitet die Aushilfe noch bei einem anderen Arbeitgeber, werden die Zeiten zusammengerechnet.
Ist die Pause zwischen Mittag- und Abendservice eine Ruhezeit?
Nein. Die Lücke bei geteilten Diensten gehört zum Arbeitstag. Die elf Stunden Ruhezeit beginnen erst nach dem Ende der letzten Schicht des Tages.
Darf ein Mitarbeiter freiwillig auf die Ruhezeit verzichten?
Nein. Die Ruhezeit ist eine Schutzvorschrift. Das Bußgeld nach § 22 ArbZG trifft den Arbeitgeber, auch wenn die Person selbst früher kommen wollte.
Was kostet ein Verstoß gegen die Ruhezeit?
Das Arbeitszeitgesetz sieht ein Bußgeld von bis zu 30.000 Euro vor, wenn die Mindestruhezeit nicht gewährt oder eine Verkürzung nicht rechtzeitig ausgeglichen wird. Das ist ein Höchstbetrag.
Wie lange muss ich nach einer Schicht bis 2 Uhr warten?
Regulär bis 13 Uhr. In der Gastronomie ist 12 Uhr möglich, wenn du die eine Stunde innerhalb eines Monats oder von vier Wochen mit einer Ruhezeit von mindestens zwölf Stunden ausgleichst.
Gilt die verkürzte Ruhezeit auch für Köche und Küchenhilfen?
Ja. Die Ausnahme in § 5 Abs. 2 ArbZG knüpft an den Betrieb an, nicht an die Tätigkeit. In einer Gaststätte oder einem Hotel gilt sie für Küche, Service, Bar und Housekeeping gleichermaßen, immer mit Ausgleich.
Muss ich die Ruhezeit selbst aufzeichnen?
Nicht gesondert. Sie ergibt sich aus Ende und nächstem Beginn der Arbeitszeit. Wenn du die Ausnahme für die Gastronomie nutzt, solltest du aber festhalten, welche längere Ruhezeit die Verkürzung ausgleicht.
Prüft Klok die Ausnahme für die Gastronomie?
Teilweise. Im Dienstplan gibt es bei zehn bis elf Stunden einen Hinweis, unter zehn Stunden sperrt das Wochenraster. Am Terminal fragt Klok bei weniger als elf Stunden nach. Ob die Verkürzung ausgeglichen wurde, rechnet Klok nicht nach.
Quellen
- § 2 Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
- § 3 Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
- § 5 Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
- § 7 Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
- § 14 Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
- § 17 Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
- § 22 Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
Alle Quellen zuletzt geprüft am . Dieser Artikel erklärt die Rechtslage nach bestem Wissen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.